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Michael Bischoff

Zeitfall

Zeitfall

Eifel Science-Fiction

Mitten in der Eifel: Ein heftiges Gewitter zwingt Mike und Nadja an einem späten Abend zu einem unfreiwilligen Stopp auf einem einsamen Wanderparkplatz. Als sie am nächsten Morgen zu ihren Jobs nach Köln aufbrechen wollen, erleben sie eine schockierende Überraschung: Ihre Handys sind tot, sie haben keinen Empfang, und ihr Auto streikt komplett. Dazu fehlen um sie herum altbekannte Straßen, Wege und Schilder.

Als sie sich notgedrungen zu Fuß auf den Heimweg machen, treffen sie einen geheimnisvollen, antiquiert wirkenden Mann und ein Mädchen, das barfuß unterwegs ist. Was die vier in der Eifel noch nicht wissen: Sie sind Opfer eines Licht-Zeit-Experiments von zwei Secret-Forschern aus einer fernen Zukunft. Ein Zeitfall mit dramatischen Folgen.

Seiten: 200

Michael Bischoff

ISBN:978-3-96123-140-9

Seiten: 200

Normaler Preis €15,00 EUR
Normaler Preis Verkaufspreis €15,00 EUR
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Michael Bischoff

Michael Bischoff absolvierte sein Magister-Studium in München (Zeitungswissenschaft, Theaterwissenschaft) und Münster (Publizistik, Germanistik, Soziologie). Nach seiner Ausbildung und Tätigkeit als PR-Referent beim Medienunternehmen Bertelsmann (Vorstandsbüro) in Gütersloh arbeitete der leidenschaftliche Journalist über 30 Jahre beim Axel Springer Verlag (Bildzeitung) in Köln mit dem Schwerpunkt Kultur sowie Show. Der Autor ist verheiratet und lebt in Köln.

Leseprobe

Ich rutschte und rutschte. Die Welt drehte sich um mich wie ein Karussell. Immer weiter, immer schneller. Verzweifelt suchte ich nach Halt. Aber wohin ich auch griff, ich fühlte, wie meine Hände immer wieder ins Leere griffen. Ich fühlte aber auch immer wieder schar­fe Gräser, die mir schmerzhaft in die Haut schnitten. Ich fühlte vorbeirasendes Wurzelwerk und knackende Äste. Ich fühlte mich komplett hilflos. Ich fühlte mich der Schwerkraft und der Natur so hemmungslos ausge­liefert wie noch nie. Ich bekam zum ersten Mal in mei­nem Leben so richtig Angst. Und wie! Vor allem jetzt. Im Hier und Jetzt durfte mir erst recht nichts passieren.
Dann war endlich Stille.
Endlich! Tief durchatmen, befahl ich mir. Jetzt ganz ruhig bleiben. Einatmen, Ausatmen, Durchatmen. Netter Versuch. Soweit die Theorie. Ich lag auf dem Rücken und atmete schwer. Keuchend stieß ich die Luft aus, unterdrückte einen bissigen Fluch und schlug vorsichtig die Augen auf. Ganz vorsichtig! Es gelang mir nur ein kurzes Blinzeln, dann traten mir Tränen in meine viel zu empfindlichen Augen. Denn die glei­ßende Sonne traf mich mit einer Wucht, die bis unter die Netzhaut ging.
Langsam versuchte ich meine Arme zu bewegen. Erst rechts, dann links. Es ging! Fast. Ein glitzernder Sternenzauber vor meinen Augen und im Kopf folgte eine schnelle Antwort. Dazwischen viel Schwärze, fun­kelnde Punkte, dann endlich wieder Ruhe. Das mentale Feuerwerk verglomm langsam. Ganz langsam. Dafür signalisierte mein Köper neue Schmerzregionen. Die reichten etwas tiefer zum rechten Oberarm. Der schlug jetzt neue Funken im Gehirn. Ein stechender Schmerz.
Höllle, Hölle. Nach wenigen Minuten verebbten die ers­ten Wellen. Man gewöhnt sich an alles, dachte ich. Erste Erleichterung.
Ich atmete noch einmal tief durch. Na also, ging doch. Ganz ruhig bleiben, schalt ich mich noch ein­mal ganz leise. Noch immer lag ich rücklings im Gras. Fast sanft gebettet. Neue Impulse jagten durch meinen pochenden Schädel. Ob ich mir etwas verstaucht hat­te? Hoffentlich war nichts gebrochen! Das wäre in der jetzigen Situation wahrscheinlich lebensgefährlich. Ich zitterte plötzlich, aber nicht vor Schmerz. Es war wohl eher Hilflosigkeit. Oder sogar Angst?
Konzentriere dich, flüsterte ich mir ganz leise zu und biss die Zähne zusammen. Das erinnerte mich an mei­nen Vater. Der hatte mich immer wieder gemahnt und aufgezogen, wenn ich als kleiner Junge vom Kletterge­rüst gefallen oder beim Fußballspielen gestolpert war. Wie war das noch mit dem Indianer und dem Schmerz? Ich hatte diese Sätze gehasst. Blöde Plattitüden von gestern. Oder vorgestern? Das war jetzt nicht wichtig. Ein anderes Kapitel.
Vorsichtig drehte ich mich von der blendenden Son­ne weg. Der Griff nach links führte erst einmal ins Lee­re. Augen auf, sieh nach! Ein Plätschern drang an mein Ohr. Erst jetzt, nach einer gefühlten Ewigkeit. Also noch einmal konzentrieren: Vor mir gurgelte ein klei­ner Bach. Mitten auf einer bergigen Wiese.
Offenbar Idylle pur. Frieden. Wie wäre es also mit langsam Aufrichten? Wieder drehte sich die Welt, der Funkenzauber im Kopf ging in die nächste Runde. Als das Feuerwerk dem knirschenden Gehirn langsam sei­nen Platz zurückgab, loderte es im Kopf lichterloh.
Ein Sturz am Abhang. Eine Gehirnerschüterung. Ein Arm ziemlich lädiert. Ein unrühmliches Ende am Bach. Wäre ich hineingefallen, hätte ich darin vielleicht sogar ertrinken können. Peinlich! Lächerlich. Der Wasserlauf war höchstens dreißig Zentimeter tief. Ich wäre durch das kühle plätschernde Wasser vielleicht schneller wach geworden. Ich, der Stadtjunge, ein Naturtrottel. Oder einfach nur ein Pechvogel?
Plötzlich griff von hinten jemand an meine Schulter. Der Schreck fuhr mir tief in die Glieder. Nein, noch viel schlimmer. Er ging tief, gefühlt bis tief in die Seele. Was war nur mit mir los? So fürchterlich empfindlich war ich doch noch nie gewesen? Und auch nicht so ungeschickt? Doch ich musste mir leise eingestehen: Ich war fertig. Fix und fertig. Mit den Nerven, der Beherrschung. Und offensichtlich auch mit meiner eigentlich bisher guten Fitness. Zu viel war in den vergangenen Tagen gesche­hen. Viel zu viel. Das alles schien mich komplett zu erfordern.
Ich holte noch einmal tief Luft, drehte mich vor­sichtig ächzend um und blickte in zwei blau­grüne Augen. Ein weicher Blick hinter einer brünetten Haar-Mähne, die wieder den Zopf sprengen wollte. An ihrem Hals schimmerte ein kleines silbernes Kreuz. Ihre Hände glitten sanft er mein Gesicht, streichel­ten meine Wangen.
Ein Glücksgefühl. Ich fühlte mich sofort wie damals. Lange her. Viel zu lange. Als kleiner Junge hatte ich die warmen sanften Hände meiner Mutter ebenfalls ge­liebt. Sie waren Balsam gegenüber den harten Worten meines strengen Vaters. Du bist doch ein Junge, stell dich nicht so an. Wie lange waren diese Worte schon her? Und warum gerade jetzt so nah? Was war los mit mir? War ich beim Fall in eine sentimentale Falle ge­stolpert? Reiß dich am Riemen, schalt ich mich heftig. Also Augen auf und durch. Verdammt noch mal, wie lange wollte ich hier eigentlich noch herumliegen?
Langsam stupsten mich meine Gedanken in die Gegenwart zurück. »Hallo Mike, verstehst du mich?«, klang es durch einen dichten Nebel an meine Ohren.
Ein verliebtes Seufzen voller Schrecken. Langsam regis­trierte ich den Schmerz in ihren Buchstaben. Die klan­gen schlimmer als mein eigener. »Autsch, der Arm«, entfuhr es mir seufzend. »Doch sonst scheint alles okay«, schob ich leise und vorsichtig tastend hinterher.
»Unkraut vergeht nicht«, hustete im Hintergrund eine zweite Stimme und holte mich endgültig in die Gegenwart zurück. Ich richtete mich langsam auf und wartete auf das nächste Feuerwerk in meinem Kopf. Doch das blieb aus. Gott sei Dank! Trotzdem pochte es dort oben unter meiner Schädeldecke noch immer ge­waltig. Als ich mich endgültig richtig aufsetzte, packten mich sanfte Hände und halfen mir in die richtige Lage. Das tat gut, richtig gut.
Als ich mich kurz darauf an das grelle Sonnenlicht gewöhnt hatte und beide Augen wieder klarsehen konnten, blickte ich in die besorgten Gesichter meiner Begleiter: Nadja, meine Freundin. Zerrissene Jeans, darüber ein T-Shirt, um die Hüfte gebun­den eine Sommerjacke, die nackten Füsse in dreckigen Sportschuhen. Ihr Gesicht war braun gebrannt, fast zu braun. Kein Wunder, bei dieser blendenden Sonne. So intensiv und heiß hatte ich das Zentralgestirn noch nie in meinem Leben erlebt.
Nadja hatte sich ihre wilden Haare zu einem Zopf gebunden, oder hatte es wenigstens versucht. Als Kopf­tuch gegen die gleißenden Sonnenstrahlen diente ihr ein altes Hemd. Oder war es ihre Sommerbluse gewe­sen? Egal, die Zeit f Etikette war hier ohnehin vorbei. Und wie!
Zeit? Ich wollte jetzt nicht wieder darüber nachdenken.
»Hier, genehmige dir erst einmal etwas Wasser«, drang es an mein Ohr. Theo reichte mir seinen Beutel. Das Wasser schmeckte gut. Sehr gut. Viel zu gut. Wie Balsam rann es durch meinen Hals. Kühl, erfrischend, voller Kraft. »Nicht so hastig«, stoppte Theo mich leise. »Trink langsam. Schluck f Schluck. Wir haben genug davon. Und Zeit auch.« Ich grinste bitter.
Theo betastete vorsichtig meine Arme und Beine. »Gebrochen scheint bei dem jungen Mann nichts zu sein. Du hast dir den Arm wohl ein bisschen geprellt und mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auch eine klei­ne Gehirnerschütterung. Also nichts Schlimmes. Hätte deutlich böser enden können. Sogar dein Rucksack hat den Sturz offenbar unbeschadet erstanden.« Ich hör­te erschrocken zu, sagte nichts. Lieber nicht jetzt. Jetzt nicht. Augen zu und durch. Nein, lieber auf und durch. Auch egal. Die Situation war viel zu grotesk.
Als Nadja mir liebevoll den Arm um die Schulter legte, bemerkte ich verstohlen ein paar Tränen in ihren Augen. »Das ist nur die grelle Sonne«, flüsterte sie leise und drehte sich schnell weg.
»Klar, nur die Sonne«, bestätigte ich schnell. Jetzt bloß ruhig bleiben, nicht durchdrehen, die Nerven be­wahren. Ganz ruhig. Alles war gut, sehr gut. Bis auf ein paar Ungereimtheiten und Theos bissigen Blick. Der geheimnisvolle Wanderer aus dem Wald.